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 Ort und Familiengeschichte seit Anfang des 19. Jahrhunderts

Ein Teil der Familien Tesanovic und Toromanovic hat etwa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Geburtsstätte in Montenegro verlassen. Sie besiedelten das menschenleere, bewaldete Majevica-Gebirge.

Nach meinen aufwändigen und dreijährigen Recherchen in ethnographischer Literatur und im Internet bin ich zu der festen Überzeugung gekommen, dass der Name Toroman ein Ursprungsname der Toromanovic Familie ist und aus Montenegro stammt. Obwohl dieses nirgends behauptet wird, ausgenommen von der Tatsache, dass dieser Name in diesem Territorium zuletzt im Jahre 1903 erwähnt wurde.

In „Stimme Nr. 63 des ethnographischen Museums in Belgrad aus dem Jahre 1999 schreibt Petar Rudic, dass ein Ahne der Toromans im montenegrinischen Ort Njegus, einer Bruderschaft (Stamm) Erakovici, gelebt hat. Die Schriftsteller Vukota und Akim Miljanic schreiben in ihrer Dokumentation „Familiennamen in Montenegro“, dass Toromans in Njegus mit den Popovic und Petrovic verwandt waren.

Miljanics bediente sich der Daten aus dem Jahr 1910, die Dr. Jovan Erdeljanovic in seinem Buch „Altes Montenegro“ (1926) niedergeschrieben hatte. Erdeljanovic hat neben den Popovic und Erakovici auch die Toromans dazu gezählt, nämlich als gesonderte Njeguscher Familie  mit unbekannter Herkunft. Eine amtliche und namentliche Erwähnung (Vuko, Todor und Mica Toroman)  gab es während eines historischen Vorfalls  im Jahre 1844.

Angeblich, nach einer alten Erzählung, ist der Name Toroman dadurch entstanden, dass ein alter Ahne, für seine Verwandtschaft gute Tore baute.
Petar Rudic schreibt, dass die Toroman-Familien diesen Namen bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts führten.

Unterlagen über diese Familien und ihre Wanderungen finden sich in alten Büchern in Cetinje  und deren Umgebung. Weitere Spuren der Toroman's gibt es in Mittel Polimlje, Poblace und Borak bei Pljevlje sowie in Bijelusine bei Rudo.

Diese Familie hat sich bereits in früherer Periode über die Balkanhalbinsel verstreut und sich jeder Lage und Umgebung angepasst, wie auch dem Glauben und der Änderung von Namen. So finden wir sie in allen drei Glaubensrichtungen, unabhängig davon, ob sie den Namen Toroman behalten haben oder sich auch unter gewissen Umständen die Endung (ovic) zuschrieben.

Die Toroman`s und die Toromanovic`s leben heute in fast allen neu entstandenen Staaten des alten Jugoslawiens. Viele, vor allem nach dem Zerfall des Landes, fanden ihr neues Zuhause im westlichen Ausland.
Die weitere Suche in Auswanderländern nach den Toroman`s und Toromanovic`s  ist in Arbeit. Bis jetzt ist bekannt, dass viele in Asien leben, in Bulgarien, Deutschland, Italien, Norwegen, Österreich, auf den Philippinen, in Russland, in Schweden, in der Schweiz, der Türkei, aber auch jenseits des Atlantiks in den USA.

  Njegusi - Erakovici  
Satellitenfoto der Gebiete von Njegusi und Erakovici. Für mehr Information klicken Sie auf das obere Foto

Eine der ersten Erwähnungen der Familie Tesanovic wurde in Manuskripten des Königs Stefan Decanski vermerkt unter dem Namen "Christen von Decansk" aus der Zeit 1335 bis 1345. Die Familie Tesanovic stammt aus dem Gebiet Vraka bei Skadarsee. Von dort siedelten sie um in den Ort Rogane beim Berg Vezesnik, unweit des Flusses Moraca. Dort haben sie sich dem Stamm Piperi angeschlossen. Weitere Wege führen nach Banjanje in den Ort Tupan, danach nach Meka Gruda bei Bileca und später schließlich nach Nevesinje. Aus Nevesinje zerstreuten sich die Wege der  Familienmitglieder in verschiedene Richtungen. In Richtung Banja Luka ins Dorf Prosjek beim Prnjavor, in Richtung Sarajevo und auch nach Serbien.

In der heutigen Zeit kann man dank sozialer Netzwerke wie Facebook vieles auch über unsere Familien herausfinden.

Eines von sehr guten Beschreibungen von Wanderungswegen der Familie, seit dem Verlassen des Gebiets von Vraka bis in die heutigen Tage, beschreibt der Sarajlier Sreten Tesanovic bei Facebook unter den Namen „Tesanovic Family“. Tesanovic-Familien aus dem Territorium des ehemaligen Jugoslawiens, schreibt er unter anderem, leben heute in "Serbien“, und zwar in den Städten: Topola, Nis, Vrbas, Rusko Selo, Beocin, Novi Sad, Stara Pazova, Kikinda, Belgrad, Smederevo, ValjevoOstruzani, in Sombor, Leskovac, Sabac, Loznica und Lacarak bei Sremska Mitrovica,…“

"In BiH, Bijeljina, Modrica, in Opstina Brod, Banja Luka, Trebinje, Mrkonjic GradBuljvine, Sarajevo -Ilidja und Vojkovic, Lukavica, Dobrinja, Mladalacko Polje, Kijevu, Kotor Varos, in Krapina am Vrbas, Trnovo, in der Umgebung von Brcko, LopareKortesi, in Laktasi, Prnjavor, Prosijek bei Prnjavor, Celinci, … In Kroatien in: Split und Osijek, … In Slowenien in: Ljubljana, Maribor,Velenje und Celje, …“

Im Ausland finden sich Teile der Familien Tesanovic nach Sretens Beschreibung beinahe in allen Herren Ländern. „In der Schweiz: Lugano und Zug, … In Schweden,  in Österreich: Siegendorf, Graz, Salzburg, … In Australien: Perth, Sydney, Adelaida, Darlington, Newton, … In Kanada, in den USA: Phoenix/Arizona, Chicago, … In Holland: Eindhoven, Groningen, … In Deutschland: Berlin, Hamburg, München, … In Russland: Moskau, … In Malta: Misida,, … In Großbritannien: Oxford, … In Ungarn; In Italien: Rom, …“

  Vraka Gebiet bei Skodra  
Satellitenfoto Umgebung von Vrake bei Shkoder in Albanien. Für mehr Informationen, klicken Sie bitte auf das obere Foto.

*Nach meiner Recherche waren die ersten Urväter von Kolimer Spasoje Tesanovic mit seinen Söhnen Ilija und Teso auf der einen Seite und Zivko Toromanovic der Erste mit seinem Bruder Mitar und den Söhnen Mico und Mihailo auf der anderen Seite.

So haben unsere Urväter angefangen, die ersten Häuser in den Bergen von Majevica zu bauen, deren Form und Bauart sich bis in meine Zeit nicht verändert haben. Grundbauart dieser so genannten "Seperusa" war, dass die Wände aus dünnem, durch die Mitte längsgeteiltem Buschhartholz bestanden. Das Buschhartholz wurde zwischen die  horizontalen, schrägen und vertikalen Bohlen geflochten. Anschließend wurde mit einer speziellen Mischung aus Tonerde und getrocknetem Stroh verputzt.

Diese Häuser besaßen überwiegend eine Veranda und drei Räume. Ein Raum  war offen bis hoch zum Dach und besaß eine offene Feuerstelle. Man nannte diesen Raum "Ognjiste". Er befand sich in der Mitte des Hauses. Über der Feuerstelle hingen Eisenketten, sie dienten zur Befestigung verschiedener Gefäße zur Speisenzubereitung. Hier wurden alle Mahlzeiten zubereitet - für Mensch und Tier, in den Wintermonaten z.B. für Schweine und Rinder. Die bekannteste und beliebteste Brotsorte wurde unter einer geschmiedeten Abdeckung unterhalb der Feuerglut gebacken.
Dieses Brot nannte man "Brot unterhalb Peke".

Der Dachboden links und rechts der Feuerstelle diente zur Lagerung von Getreide und sonstigem Wintervorrat. Der Bereich über der Feuerstelle diente zum Aufhängen und Räuchern verschiedener Arten von Fleisch. Der von der Feuerstelle ausgehende Rauch hatte die Aufgabe, dass sich diese Prozedur automatisch ausführte. Das Dach bedeckte man mit dünnen, länglichen Holzlatten. Den ersten Bau von modernen Häusern, bedeckt mit Dachsteinen und Wasserrinnen aus verzinktem Blech, führte Zivko der Zweite (Sohn von Jeka und Mico Toromanovic) Mitte der Fünfziger Jahre durch.

Der größte Raum war die Wohnstube, dort spielte sich alles ab. Für Feierlichkeiten wurde ein langer Tisch mit Sitzbänken und Stühlen aufgestellt. In diesem Raum wurde auf Strohmatratzen geschlafen, auf dem Fußboden sitzend mit Holzlöffeln gegessen, rundherum um einen niedrigen, runden Tisch, genannt "Sinija". Die Stube besaß einen Ofen, genannt "Furina", er war aus Tonerde gefertigt und diente ausschließlich als Heizofen für diesen Raum. Es war aber auch möglich, dort Essen zuzubereiten. Zur Beleuchtung benutzte man Petroleumlampen, die beim Befüllen schlimm gestunken haben.

Wasserleitungen gab es nicht. Wasser wurde mit runden länglichen Holzbehältern, genannt "Brema", vom örtlichen Brunnen geholt. Er befand sich am Grundstück von Tante Draginja und ihrem Schwager Milan Toromanovic. Erst später hat man Leitungen zwischen dieser Quelle und der Quelle hinter den "Duge Njive" bzw. unterhalb des Berges "Banj brdo" und den Haushalten verlegt.

Bedeutend ist, dass der Ort seinen Namen nach einer Bergseite hinter dem "Ravna Njiva" (Eigentum von Milan Toromanovic) bekam. Am Ende diese Bergseite lag der Ort Janjici. Diese Bergseite, die Eigentum von Bosko Janjic war, nannte man Kolimer.  Es war die Grenze zwischen den Familien, die im oberen Bereich und die, die im unteren Bereich der Bergseite lebten.

Wir "Toromans" und "Tesans" wurden von den Bewohnern der anderen Ortschaften "Kolimerer" genannt. Die übrigen Ortschaften wurden von uns und den Bewohnern dieser Ortschaften Janjici, Simici, Djuvici, Maksimovici und so weiter genannt. Das heißt, alle diese Orte um die Bergseite Kolimer herum, haben die Namen ihrer Familien erhalten. Allerdings wurde bei allen Personen aus den übrigen Ortschaften der amtliche Geburtsort Kolimer vermerkt. Wir aber, unter uns, befanden uns damals in Pajici, Djuvici oder in Janjici oder wir waren auf dem Kolimer.

Da meine Eltern, meine Geschwister und ich, ausgenommen mein ältester Bruder Blasko und seine Frau, den Kolimer Ende der fünfziger Jahre verlassen haben und nach Tuzla umgezogen sind, ist mir die weitere und detaillierte Entwicklung des Ortes nicht bekannt. Ich vermute, dass sich nach dem Bau einer wichtigen Straße zwischen Tuzla und Bijeljina Ende der sechziger Jahre, die über den Kolimer verlief, und der Verlegung von Elektroleitungen die Fläche von Kolimer vergrößert hat. Die restlichen kleinen Ortschaften zwischen Draganovac im Norden, Cviljevina im Westen, Seljublje im Osten und Pozarnica im Süden dieses Territoriums wurden unter dem Namen Kolimer vereint.

Der Ort war weit entfernt und isoliert von öffentlichen Wegen. Von da aus bis nach Tuzla waren es 13 Kilometer. Mit dem Pferd oder zu Fuß dauerte es mehr als  zwei Stunden. Für wichtige Gebrauchsgegenstände oder im Krankheitsfall hat man diese Strapazen in Kauf genommen. Man ging mehr als eine Stunde über die Pfade barfuß bis nach Pozarnica. Wenn es geregnet hat, ging man über die aufgeweichten, matschigen Wege und erst, wenn man festen Boden unter den Füßen hatte, hat man die Füße gewaschen und Schuhe angezogen. Von Pozarnica aus fuhr man weiter mit dem Bus, den wir damals "Posta" nannten. Im schlimmsten Fall mussten wir bis Simin Han weitere fünf Kilometer laufen und erst von da aus mit dem Bus weiterfahren.

Weiter vermute ich, dass zur damaligen Zeit alle Busse und Fahrer von motorisierten Fortbewegungsmitteln regelmäßig Post und Postsendungen übernahmen und freiwillig verteilten. Dadurch kam es, dass die Menschen in den Dörfern sich gegenseitig zugerufen haben: "Da kommt die Posta!" Wobei das in übertragenem Sinn heißen soll, dass das Fahrzeug die Post ist. Damals lautete unsere Adresse z.B: Milan Toromanovic, Kolimer Nr. 39, letztes Postamt: Simin Han. Von Simin Han aus sind die Postsendungen von Hand zu Hand zum Empfänger weiter getragen worden. Die erste Modernisierung sowie kulturelle Entwicklung des Dorfes trat nach der Fertigung dieser Verbindungsstraße ein. Für die Jugend war dies eine große Erleichterung, denn alle Bildungseinrichtungen ließen sich jetzt viel leichter erreichen. Gleich zu Beginn eröffnete mein bester Freund aus Kindertagen, Joja, in Polijesce neben der Straße seine erste Gaststätte. Hier gab es verschiedene Menüs und Grillspezialitäten, die sehr schnell weit und breit bekannt waren. In Anbetracht seiner gelungenen Tätigkeit dauerte es nicht lange bis zur Eröffnung eines neuen und viel größeren Objekts am Banj brdo.

Nach Beteuerung von Jovanka Cujic, Tochter von Simo Toromanovic, ist Jovo ein Ahne mit ihr unbekanntem Namen. Er kam aus Dschemat bei Lopare nach Kolimer, dort wurde er von einem Mitglied der Familie Toromanovic adoptiert und nahm diesen Familiennamen an. Seine Ehefrau Ruza Jovanovic und er bekamen Kinder, die Töchter Stanojka, Milica und Cvija sowie die Söhne Ilija und Spasoje, genannt Pajko.


In dieser ersten kleinen Gemeinschaft hat mein Opa Lazo Tesanovic Jovos Tochter Milica geheiratet. Lazo und Milica bekamen drei Kinder mit den Vornamen Petra, Blagoje und Bosko – mein Vater. Mein Opa Lazo starb mit 39 Jahren. Meine Oma heiratete einige Jahre später wieder und zog in den Ort Ceketici bei Pozarnica. Ihr Mann hieß Tomo Ceketic. Mit Tomo bekam sie den Sohn Pero. So haben Petra, Blagoje und Bosko noch einen Halbbruder.

Der erste Kolimerer, der sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Tuzla angesiedelt hatte, war Spasojas Sohn Teso Tesanovic. Er heiratete Ende 1919 die Österreicherin Maria Eipeldauer. Deren Nachkommen waren: Dragica, Drago, Slavko, Slavojka, Petar, Mileva, Zdravko und Dusan. Über diesen Zweig der Familie erfuhr ich von Tesos Enkel Zlatko Tesanovic und Grozda, die Ehefrau von Tesos und Maria`s  jüngstem Sohn Dusan.


*Erzählung von Blasko -Blagoje Tesanovic, Lazo Tesanovic, Bozana Micic, Draginja Tomic, Vela Vejzovic, Zora Stevanovic, Jovanka Cuic, Cvijan Toromanovic, Pajo Toromanovic, Cvijeta Petkovic, Dusanka Jelen und Vinka Pajic.

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